Gut geplant

Bei der Haussanierung gestaffelt vorgehen

«Oft wird eine Haussanierung falsch angepackt», beobachtet der Berner Energieberater Riccardo Fuhrer. «Es wird ohne Konzept erneuert – was halt gerade anfällt.» Geradezu «klassisch» sei etwa, wenn die Heizung einfach ersetzt werde, ohne dass zuvor die schlechte Wärmedämmung an Fassaden, Fenstern, Kellerdecke und dem Dach- und Estrichboden verbessert worden sei. Ein Anruf beim Energieberater sei mehr als lohnend: «Eine umfassende energietechnische Sanierung zahlt sich in jedem Fall aus.»

Den richtigen Weg hat die Familie Ruchti-Nüssli in Uster gewählt. Sie hat zur Gesamtbeurteilung ihrer Liegenschaft eine Grobbeurteilung durch einen «Energiecoach» in Auftrag gegeben. «Wir wollen das Haus für die nächsten vierzig Jahre tauglich machen, damit zu unseren Lebzeiten keine weitere Sanierung nötig ist», betont Hausbesitzer Christoph Ruchti.

Zu hoher Energieverbrauch
Das Haus Ruchti wurde 1936 erbaut; es ist innen und aussen sehr gut in Schuss gehalten, wie ein Rundgang zeigt. Vor acht Jahren erst ist das Dach von Grund auf erneuert und gut isoliert worden. Doch Christoph und Ursula Ruchti orteten immer noch Schwachstellen am Haus. Sorgen machen vor allem die hohen Energiekosten für Gas und Holz, insgesamt 6836 Franken im Jahr. Letztes Jahr wurden 4800m3 Gas für die Zentralheizung sowie 3 bis 4 Ster Holz für den Cheminéeofen verbraucht. Bei einer Energiebezugsfläche des Gebäudes von insgesamt 325m2 wurden pro Quadratmeter Wohnfläche 15m3 Gas verbraucht. Das entspricht der Energiekennzahl 15 (siehe Kasten unten) und damit einem ziemlich hohen Verbrauch. Und das birgt hohes Sparpotenzial. Gut sanierte Altbauten haben einen Energieverbrauch von etwa 6 m3 Gas.

An der Hausbau- und Energiemesse in Bern kam Christoph Ruchti im Herbst 2008 mit dem Energieberater Riccardo Fuhrer von der Firma CASVITA ins Gespräch. Dieser wurde mit der Erstellung einer Zustandsanalyse des Gebäudes beauftragt. Fuhrer hat nun jeden einzelnen Bauteil auf den U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient)untersucht und mit den heute üblichen U-Werten verglichen und beurteilt. Der Befund sollte in ein Sanierungskonzept münden, damit sich die Arbeiten und damit natürlich auch die Kosten in Etappen gestalten liessen. Für Christoph Ruchti steht eine pragmatische Sanierung im Zentrum. Ein Minergiestandard wird nicht angestrebt. Denn bei Altbauten gestaltet sich der Einbau von Steigzonen für die Rohre der Komfortlüftung oft schwierig.

Schwachstellen Fassade und Keller
Die Abklärungen von Energieberater Riccardo Fuhrer ergaben, dass mit baulichen Massnahmen Einsparungen bei den Energiekosten von gegen 40 Prozent erzielt werden können. Die Schwachstellen lokalisierte Fuhrer hauptsächlich bei der Kellerdecke des Altbaus samt Sockelbereich, ferner bei der Aussenfassade samt Fenster und Haustüren sowie beim Flachdach des Anbaus.

Keller: Zwar weist die Kellerdecke bei einigen Räumen bereits eine Isolation auf; mit 6 cm ist sie aber zu dünn gedämmt. Einzelne beheizte Kellerräume wie das Webatelier erfordern spezielle Massnahmen.

Fassade: Die Fassade mit dem bestehenden Zweischalenmauerwerk mit Luftzwischenraum ist mit einer 16 cm dicken Wärmedämmschicht zu isolieren.

Fenster: Die bestehenden Fenster (doppelisoliert, Holz-/Aluminiumrahmen) wurden zwar vor acht Jahren erneuert; Fuhrer empfiehlt aber den Einbau neuer, dreifachverglaster Fenster, womit die Undichtigkeiten in der Gebäudehülle weiter reduziert und die Wärmeverluste der Fenster insgesamt halbiert werden können. Die Wärmebrücken bei Leibungen, Fensterbänken/Stürzen sind mittelmässig bis gut, wie eine Thermografieaufnahme der Stadtwerke Uster ergeben hat.

Aufstieg in die nächsthöhere Energieklasse
«Die Wärmedämmung an der Kellerdecke ist die naheliegendste Massnahme mit dem besten Kosten-/Nutzen-Verhältnis», merkt Fuhrer in seiner Grobanalyse an. Bei den eingesparten Energiekosten von 30 bis 40 Prozent macht der Kellerbereich 7 Prozent aus; der Fensterersatz 9 Prozent und das Flachdach 5 Prozent. Die grössten Einsparungen erbrächte jedoch die Fassadenisolation mit 19 Prozent. Würden alle baulichen Empfehlungen umgesetzt, sänken die Energiekosten im Haus Ruchti von derzeit 6836 auf 4225 Franken jährlich.

Sie könnten zudem durch den Einsatz von 6 m2 Sonnenkollektoren – bei einem Warmwasserdeckungsgrad von 60 Prozent – um weitere 9 Prozent auf 3610 Franken gesenkt werden. Der Energieverbrauch würde von 15m3 auf 8m3 Gas pro Quadratmeter und Jahr sinken. Dies schlägt sich bei der Energieeffizienz nieder, die allerdings nur um eine Klasse steigt. Das wiederum hat Christoph Ruchti überrascht, der mehr erwartet hätte. «Wirtschaftlich gesehen ist die Energieersparnis, gemessen an der Investition, gering.»

Die Kosten der Wärmeisolation von Aussenfassade und Keller beziffert Fuhrer auf rund 62 000 Franken. Darin sind die Handwerkerkosten (Spengler, Elektriker, Gärtner, Gerüst usw.) noch nicht inbegriffen; sie schlagen mit zusätzlichen 20 Prozent zu Buche. «Stellt man diese voraussichtlichen Kosten der alle zwanzig Jahre fälligen Pinselrenovation der Fassade gegenüber – diese würde jedes Mal rund 15 000 Franken betragen –, so relativiert sich der Sanierungsaufwand», erläutert Fuhrer. Die Familie Ruchti kann überdies von den Subventionen des Klimarappens profitieren, weil zwei der drei geforderten Elemente – Dach, Fenster, Fassade – bei der Haussanierung verwirklicht werden. Das bereits sanierte Dach wird angerechnet.

Gestaffeltes Vorgehen
Der Energieberater rät, so rasch wie möglich die Sanierung des Kellerbereichs und der Fassade anzupacken, das Ganze aber auf zwei Jahre zu verteilen, damit die Steuerprogression gebrochen wird. Bereits in der zweiten Hälfte 2009 könnte der Keller an die Hand genommen werden; 2010 die Fassade und ein Jahr später die Solaranlage. Bezüglich der Heizung möchte Christoph Ruchti prüfen, ob der bestehende Cheminéeofen mit einem Heizregister ausgerüstet werden könnte, womit die Zentralheizung unterstützt würde. «Holz ist ein klimaneutraler Heizstoff und wächst vor der Türe, ausserdem gibt Holz dreimal warm – beim Sägen, beim Hineintragen und beim Heizen», schmunzelt Ruchti, der sehr gerne auch selber zu Axt und Säge greift.

Energieberater koordiniert Sanierung
Der Vorteil einer Gesamtbeurteilung liegt darin, dass der Energieexperte die Gebäudesanierung bei der Umsetzung auch gleich koordinieren kann. Er holt zum Beispiel Offerten ein. So haben Hausbesitzer die Gewähr, dass vom ersten Kontakt bis zur Kostenkontrolle alles aus einer Hand kommt. Im Herbst wird die erste Etappe mit der Kellerisolation an die Hand genommen. «Die Wärmeisolation von Keller und Fassade werden bereits zu spürbar höherem Wohnkomfort und damit zu mehr Lebensqualität führen», ergänzt Fuhrer. «Schliesslich verbringen wir die Hälfte unseres Lebens im Haus!»

Text: Stefan Hartmann (April 2009)



 

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